· Mehdi Aroui · managed-it  · 3 min read

Hyper-V Netzwerk-Tuning: LSO und RSC gezielt abschalten

Performance-Probleme bei Windows-Fileservern trotz guter Hardware? Offload-Funktionen von Netzwerkkarten und RSC im Hyper-V-vSwitch sind häufig die Ursache.

Wer in einer Hyper-V-Umgebung Performance-Probleme bei Windows-Fileservern beobachtet, obwohl Hardware, Virenschutz und DNS unauffällig sind, sollte zwei Stellschrauben im Netzwerk-Subsystem prüfen: die Offload-Funktionen der Netzwerkkarte (Large Send Offload, Receive Segment Coalescing) und RSC im Hyper-V-vSwitch. In Hamburger Rechenzentren und Remote-Arbeitsplatz-Infrastrukturen begegnen wir diesem Problem regelmäßig.

Hintergrund: Warum Offload manchmal bremst

Large Send Offload (LSO) und Receive Segment Coalescing (RSC) verlagern TCP-Segmentierung vom CPU-Stack auf den Netzwerkkontroller. Auf Bare-Metal-Servern mit aktueller Hardware steigt der Durchsatz dadurch oft. In virtuellen Umgebungen führen diese Funktionen aber auch zu Inkompatibilitäten mit älteren Netzwerkkadern. Hyper-V muss die zusammengefassten Frames erst wieder zerlegen, bevor sie in der VM ankommen. Das kann CPU-Last senken, während Latenzen gleichzeitig steigen. Das Ergebnis sind träge SMB-Transfers und inkonsistente Reaktionszeiten.

Ausgangskontrolle vor Änderungen

PrüfschrittBefehlErwartung
Aktuelle Treiberdevmgmt.msc, Netzwerkkarte, TreiberdatumNicht älter als 12 Monate
Offload-StatusGet-NetAdapterAdvancedPropertyÜbersicht aller Offload-Flags
vSwitch-StatusGet-VMSwitchSpalte EnableSoftwareRsc prüfen

Offload im Host abschalten

Physische Intel- oder Broadcom-NIC auf dem Hyper-V-Host

  1. Geräte-Manager öffnen (devmgmt.msc)
  2. Netzwerkadapter, physische Karte doppelklicken
  3. Reiter “Erweitert” wählen
  4. Diese Einträge auf “Deaktiviert” setzen:
    • Large Send Offload V2 (IPv4)
    • Large Send Offload V2 (IPv6)
  5. Übernehmen, dann Ping und SMB-Copy messen

Messpunkt in Perfmon: Zähler \\Network Interface\\Bytes Total/sec und \\Processor(_Total)% Processor Time aufzeichnen.

Offload im Gast abschalten

Virtuellen NIC in der VM konfigurieren

  1. VM anmelden (lokaler oder Domänen-Admin)
  2. Geräte-Manager, Hyper-V Virtual Ethernet Adapter
  3. Reiter “Erweitert”
  4. Diese Optionen auf “Deaktiviert” setzen:
    • Large Send Offload V2 (IPv4)
    • Large Send Offload V2 (IPv6)
    • Recv Segment Coalescing (IPv4)
    • Recv Segment Coalescing (IPv6)
  5. VM neu starten

PowerShell-Skript für Host und Gast

# Host: LSO deaktivieren
$props = @("LSOv2IPv4", "LSOv2IPv6")
Get-NetAdapter -Physical | ForEach-Object {
    foreach ($p in $props) {
        Set-NetAdapterAdvancedProperty -Name $_.Name -DisplayName $p -DisplayValue "Disabled"
    }
}

# Gast: LSO und RSC deaktivieren
$guestProps = @(
    "Large Send Offload V2 (IPv4)",
    "Large Send Offload V2 (IPv6)",
    "Recv Segment Coalescing (IPv4)",
    "Recv Segment Coalescing (IPv6)"
)
Get-NetAdapter | Where-Object { $_.Name -like "*Hyper-V*" } | ForEach-Object {
    foreach ($p in $guestProps) {
        Set-NetAdapterAdvancedProperty -Name $_.Name -DisplayName $p -DisplayValue "Disabled"
    }
}

RSC im Hyper-V-vSwitch steuern

Microsoft aktiviert RSC im vSwitch ab Windows Server 2019 standardmäßig. In Hochlast-Szenarien kann das zu Jitter oder Timeouts führen.

Status prüfen:

Get-VMSwitch | Select-Object Name, EnableSoftwareRsc

RSC deaktivieren:

Set-VMSwitch -Name "Prod-vSwitch" -EnableSoftwareRsc $false

RSC wieder aktivieren:

Set-VMSwitch -Name "Prod-vSwitch" -EnableSoftwareRsc $true

Faustregel:

  • 1-GBit-Anbindungen und ältere Netzwerkkarten: RSC ausschalten
  • 10-GBit- und RDMA-fähige Adapter: RSC eingeschaltet lassen

Validierung nach Änderungen

ToolWas prüfenSchwellenwert
iPerf3Netto-Durchsatz Host zu VMNahe am Leitungsmaximum
SMB-Copy5-GB-Testfile-TransferdauerUnter 70 % der ursprünglichen Zeit
PerfmonCPU vs. NetzwerklastCPU-Anstieg unter 10 %
Event ViewerWarnungen im System- und Hyper-V-LogKeine 106, 12389

Nach jeder Offload-Änderung mindestens zehn Minuten Dauerlast testen.

Weitere Troubleshooting-Schritte

  1. Treiber-Rollback: Erst neuester OEM-Treiber, dann Windows-Inbox-Treiber testen
  2. RSS und NUMA: Bei mehr als 8 vCPUs RSS aktivieren (Enable-NetAdapterRSS)
  3. Jumbo Frames: Nur einsetzen, wenn alle Geräte im Pfad MTU 9000 unterstützen
  4. SMB Multichannel: Ab 10 GBit lohnend
  5. Storage-QoS: Nicht auf denselben vSwitch wie VM-Traffic pinnen

Fazit

Durch gezieltes Deaktivieren von LSO und RSC lassen sich typische Engpässe bei SMB-Last oder hochfrequenten Datenbankzugriffen beseitigen. Das Prinzip bleibt dabei immer gleich: messen, ändern, erneut messen. Jede Hardware-Konfiguration reagiert unterschiedlich, weshalb Annahmen ohne Messung zu falschen Schlüssen führen.

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