· Mehdi Aroui · Managed IT · Lesedauer von ca. 5 Min.
Linux Netzwerkeinstellungen ändern: IP, Gateway, DNS
Statische IP, Gateway und DNS unter Linux konfigurieren. Aktueller Stand 2026: netplan für Ubuntu Server, nmcli für RHEL und Fedora, ip-Befehl statt veraltetem ifconfig.

Linux-Server laufen in vielen KMU-Infrastrukturen parallel zu Windows-Systemen, oft als Fileserver, Monitoring-Node oder Firewall-Appliance. Wer eine statische IP-Adresse setzen, das Gateway wechseln oder DNS-Server anpassen muss, steht je nach Distribution vor unterschiedlichen Werkzeugen. Dieser Beitrag zeigt den aktuellen Stand für Ubuntu Server (netplan), RHEL/Fedora/CentOS (nmcli) und einen distributions-übergreifenden Weg für temporäre Änderungen (ip-Befehl).
Hinweis: Dieser Post wurde im März 2016 ursprünglich mit
ifconfigund/etc/sysconfig/network-scripts/geschrieben. Beide Ansätze gelten seit Jahren als veraltet.ifconfigstammt aus demnet-tools-Paket, das auf modernen Distributionen nicht mehr vorinstalliert ist. Der Nachfolger ist derip-Befehl ausiproute2.
Welches Werkzeug für welche Distribution?
| Distribution | Persistente Konfiguration | Werkzeug |
|---|---|---|
| Ubuntu Server 20.04+ | /etc/netplan/*.yaml | netplan apply |
| Debian 12+ | /etc/network/interfaces oder netplan | ifupdown oder netplan |
| RHEL 9, Fedora 33+, AlmaLinux 9 | /etc/NetworkManager/system-connections/ | nmcli |
| RHEL 7/8, CentOS 7/8 | /etc/sysconfig/network-scripts/ | nmcli oder direkt |
| Alle (temporär, ohne Neustart) | Arbeitsspeicher, nicht persistent | ip addr, ip route |
Aktuelle Netzwerkkonfiguration anzeigen
Der erste Schritt vor jeder Änderung ist eine Bestandsaufnahme. ifconfig ist auf aktuellen Systemen meist nicht installiert. Der Ersatz:
# Alle Interfaces mit IP-Adressen anzeigen
ip addr show
# Routing-Tabelle anzeigen
ip route show
# DNS-Auflösung prüfen (systemd-resolved)
resolvectl statusAlternativ mit kürzerer Syntax:
ip a # Kurzform für ip addr show
ip r # Kurzform für ip route showUbuntu Server: statische IP mit netplan setzen
Ubuntu Server nutzt seit Version 18.04 netplan als Konfigurationsschicht. Die YAML-Dateien liegen unter /etc/netplan/. Der Name der Datei variiert je nach Installation, typisch ist 00-installer-config.yaml oder 01-netcfg.yaml.
Schritt 1: Vorhandene Konfiguration lesen
ls /etc/netplan/
cat /etc/netplan/00-installer-config.yamlSchritt 2: Interface-Namen ermitteln
ip link showModerne Ubuntu-Server verwenden vorhersagbare Interface-Namen wie ens3, enp3s0 oder eth0 (in einigen Cloud-Images).
Schritt 3: Statische IP konfigurieren
# /etc/netplan/00-installer-config.yaml
network:
version: 2
ethernets:
enp3s0:
dhcp4: false
addresses:
- 192.168.1.10/24
routes:
- to: default
via: 192.168.1.1
nameservers:
addresses:
- 8.8.8.8
- 1.1.1.1Die korrekte Syntax für das Standard-Gateway ist ab netplan 0.104 (Ubuntu 22.04)
routes: - to: default via: <gateway>. Der ältere Schlüsselgateway4ist deprecated.
Schritt 4: Konfiguration anwenden
# Syntaxprüfung
sudo netplan try
# Dauerhaft übernehmen
sudo netplan applynetplan try wendet die Konfiguration temporär an und rollt nach 120 Sekunden automatisch zurück, wenn Sie die Eingabe nicht bestätigen. Nützlich bei Remote-Zugriff, damit Sie sich nicht aussperren.
DHCP aktivieren (statt statischer IP)
network:
version: 2
ethernets:
enp3s0:
dhcp4: trueOffizielle Dokumentation: Ubuntu Server Networking
RHEL, Fedora, AlmaLinux: nmcli verwenden
Auf RHEL-basierten Systemen verwaltet NetworkManager alle Netzwerkverbindungen. nmcli ist das Kommandozeilen-Frontend. Seit RHEL 9 und Fedora 33 werden Verbindungen als Keyfiles unter /etc/NetworkManager/system-connections/ gespeichert, nicht mehr als ifcfg--Dateien.
Bestehende Verbindungen anzeigen
nmcli connection show
nmcli device statusStatische IP setzen
# Verbindungsname und Interface ermitteln
nmcli connection show
# Statische IP, Subnetzmaske (CIDR), Gateway setzen
sudo nmcli connection modify "Wired connection 1" \
ipv4.method manual \
ipv4.addresses "192.168.1.10/24" \
ipv4.gateway "192.168.1.1" \
ipv4.dns "8.8.8.8,1.1.1.1"
# Verbindung neu aktivieren
sudo nmcli connection up "Wired connection 1"Zurück auf DHCP wechseln
sudo nmcli connection modify "Wired connection 1" \
ipv4.method auto \
ipv4.addresses "" \
ipv4.gateway "" \
ipv4.dns ""
sudo nmcli connection up "Wired connection 1"Neue Verbindung anlegen
sudo nmcli connection add \
type ethernet \
ifname enp3s0 \
con-name "server-static" \
ipv4.method manual \
ipv4.addresses "192.168.1.20/24" \
ipv4.gateway "192.168.1.1" \
ipv4.dns "8.8.8.8"
sudo nmcli connection up "server-static"Offizielle Dokumentation: NetworkManager Reference Manual (nmcli)
Temporäre Änderungen mit dem ip-Befehl
Der ip-Befehl aus dem iproute2-Paket funktioniert auf jeder Distribution und setzt Änderungen sofort, aber nicht persistent. Nach einem Neustart sind sie weg. Nützlich für Tests und schnelle Korrekturen ohne Konfigurationsdatei.
# IP-Adresse einem Interface hinzufügen
sudo ip addr add 192.168.1.50/24 dev enp3s0
# IP-Adresse entfernen
sudo ip addr del 192.168.1.50/24 dev enp3s0
# Standard-Gateway setzen
sudo ip route add default via 192.168.1.1 dev enp3s0
# Standard-Gateway entfernen
sudo ip route del default
# Interface aktivieren / deaktivieren
sudo ip link set enp3s0 up
sudo ip link set enp3s0 downTemporäre Änderungen mit
ipüberleben keinen Neustart. Für Produktionsserver immer die distributionsspezifische persistente Konfiguration (netplan oder nmcli) verwenden.
DNS-Konfiguration prüfen und ändern
Auf modernen Linux-Systemen mit systemd-resolved ist /etc/resolv.conf oft nur ein Symlink. DNS-Server werden über netplan oder nmcli gesetzt (siehe oben) und von systemd-resolved verwaltet.
# Aktuellen DNS-Status anzeigen
resolvectl status
# DNS-Auflösung testen
resolvectl query example.com
# Oder klassisch
nslookup example.com
dig example.comFalls /etc/resolv.conf direkt bearbeitet werden muss (z.B. in Containern oder minimalen Installationen):
sudo nano /etc/resolv.confnameserver 8.8.8.8
nameserver 1.1.1.1
search firma.localTypische Fehler und ihre Ursachen
Problem: ip addr show zeigt keine IP nach netplan apply Ursache ist meist ein YAML-Einrückungsfehler. YAML ist whitespace-sensitiv, Tabs sind nicht erlaubt, nur Leerzeichen. netplan try zeigt Syntaxfehler direkt an.
Problem: nmcli meldet “Error: unknown connection” Der Verbindungsname im Befehl stimmt nicht exakt mit dem in nmcli connection show überein. Leerzeichen und Groß-/Kleinschreibung beachten.
Problem: Änderungen nach Neustart weg Es wurden ip-Befehle statt netplan/nmcli verwendet. Temporäre Konfiguration wird nicht persistiert.
Problem: SSH-Verbindung bricht beim Netzwerk-Neustart ab Beim Anpassen der IP auf dem Remote-Server zuerst netplan try verwenden. Die automatische Rücknahme nach 120 Sekunden verhindert, dass der Server unerreichbar bleibt.
Häufige Fragen
Welches Werkzeug brauche ich für eine statische IP unter Ubuntu Server?
Ubuntu Server nutzt seit Version 18.04 netplan. Die Konfiguration liegt als YAML-Datei unter /etc/netplan/, angewendet wird sie mit sudo netplan apply. Für den Praxistest empfiehlt sich vorher sudo netplan try, das nach 120 Sekunden automatisch zurückrollt, falls Sie die Eingabe nicht bestätigen.
Warum funktioniert ifconfig auf aktuellen Linux-Systemen nicht mehr?
ifconfig stammt aus dem net-tools-Paket, das auf modernen Distributionen nicht mehr vorinstalliert ist. Der Nachfolger ist der ip-Befehl aus iproute2, mit dem sich Interfaces, IP-Adressen und Routing-Tabellen anzeigen und ändern lassen.
Warum sind meine IP-Änderungen nach einem Neustart wieder weg?
Das passiert, wenn Änderungen ausschließlich mit dem ip-Befehl vorgenommen wurden. Dieser setzt Konfigurationen sofort, aber nur im Arbeitsspeicher, nicht persistent. Für dauerhafte Änderungen ist die distributionsspezifische Konfiguration nötig, netplan bei Ubuntu Server, nmcli bei RHEL, Fedora und AlmaLinux.
Netzleiter-Hinweis
In gemischten Umgebungen mit Windows-Servern und Linux-Nodes, wie sie in vielen Hamburger KMU vorkommen, ist eine saubere IP-Planung vor der Konfiguration entscheidend. Wer Linux-Server als Teil eines Managed IT Supports betreibt, profitiert von einheitlichen Konfigurationsstandards, dokumentierten IP-Bereichen und Monitoring. Ungeplante manuelle IP-Änderungen sind eine der häufigsten Ursachen für Netzwerkprobleme nach Wartungsarbeiten.
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