(aktualisiert am ) · Mehdi Aroui · Produktivität · Lesedauer von ca. 4 Min.

Lithium-Ionen-Akkus richtig pflegen: Lebensdauer verlängern

Falsch geladen, falsch gelagert: Lithium-Ionen-Akkus altern schneller als nötig. Konkrete Tipps zum richtigen Umgang mit Akkus in Smartphones, Laptops und Tablets.

Schema eines Akkus mit Ladeziel von etwa 80 bis 90 Prozent und einem schonenden Ladebereich zwischen etwa 20 und 90 Prozent.

Lithium-Ionen-Akkus sind in nahezu jedem mobilen Gerät verbaut: Smartphones, Laptops, Tablets, kabellose Mäuse. Ihre Lebensdauer ist begrenzt, aber der Rahmen, in dem sie altern, hängt stark vom Nutzungsverhalten ab. Apple legt die Akkus von iPhone 14 und älteren Modellen so aus, dass sie nach 500 vollen Ladezyklen noch 80 Prozent der Ursprungskapazität behalten, bei den iPhone-15-Modellen sowie bei Apple-Notebooks nach 1000 Ladezyklen (Apple, Batterie-Service und Recycling, abgerufen am 18.10.2026). Wie schnell ein Akku diesen Wert erreicht, bestimmen Ladeverhalten und Temperatur. Die Pflegehinweise unten gelten nach den Herstellerangaben (Stand Oktober 2026) für Lithium-Ionen- und Lithium-Polymer-Akkus.

Wie Lithium-Ionen-Akkus funktionieren

Lithium-Ionen bewegen sich beim Laden und Entladen zwischen Anode (Kohlenstoff) und Kathode (meist Kobalt-, Nickel- oder Mangan-Verbindungen, etwa NMC) durch einen flüssigen Elektrolyten. Jeder Ladevorgang und jede mechanische oder thermische Belastung verändert die Struktur dieser Materialien minimal. Mit der Zeit nimmt die Kapazität ab.

Konkrete Tipps für längere Akkulaufzeit

Das richtige Ladegerät verwenden

Nur vom Hersteller empfohlene Ladegeräte und -kabel einsetzen. Billiges Zubehör ohne Qualitätszertifizierung kann den Akku übersteuern und beschädigen.

Tiefentladung vermeiden

Laden Sie bei 20 bis 30 Prozent Restkapazität, nicht erst wenn das Gerät abschaltet. Tiefe Entladungen belasten die Chemie des Akkus überproportional: Die Messreihen der Battery University (Cadex) nennen für NMC-Zellen rund 300 Zyklen bei vollständiger Entladung gegenüber rund 1000 Zyklen, wenn der Akku nur um 40 Prozent entladen wird, jeweils bis die Kapazität auf 70 Prozent gefallen ist (BU-808, Table 2, abgerufen am 18.10.2026).

Nicht über Nacht am Strom lassen

Dauerhaftes Vollladen (100 Prozent über Stunden) beschleunigt die Alterung. Praktisch ist ein Ladeziel von etwa 80 bis 90 Prozent für den Alltag, wenn das Betriebssystem oder die Ladesoftware das ermöglicht. Nach einem Jahr Lagerung bei 25 °C behält ein Akku mit 100 Prozent Ladestand laut Battery University 80 Prozent seiner Kapazität, einer mit 40 Prozent Ladestand 96 Prozent (BU-808, Table 3).

Wärme ist der Hauptfeind

Hitze beschleunigt chemische Abbauprozesse im Akku deutlich. Apple nennt für iPhone und Apple-Notebooks einen idealen Umgebungsbereich von 16 bis 22 °C und rät, Umgebungstemperaturen über 35 °C zu vermeiden, weil die Kapazität dauerhaft sinken kann (Apple, Batterieleistung maximieren, abgerufen am 18.10.2026). Bei 40 °C Lagertemperatur sind nach einem Jahr bei vollem Akku noch 65 Prozent der Kapazität nutzbar, bei 25 °C noch 80 Prozent (BU-808, Table 3). Gerät nicht in der prallen Sonne lassen, nicht auf weichen Unterlagen betreiben (Überhitzung durch verdeckte Lüftungsöffnungen), nicht im heißen Auto lagern.

Kühle, trockene Lagerung

Geräte, die längere Zeit nicht genutzt werden, idealerweise bei 40 bis 60 Prozent Ladestand und Raumtemperatur lagern. Apple empfiehlt rund 50 Prozent, eine Lagertemperatur unter 32 °C und bei Lagerung über sechs Monate ein Nachladen auf 50 Prozent im Halbjahrestakt, weil ein vollständig entladener Akku keine Ladung mehr aufnehmen kann.

Was das für Unternehmen bedeutet

In Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitenden, die je einen Laptop und ein Smartphone nutzen, fällt ein Akku mit weniger als 80 Prozent der Ursprungskapazität im Arbeitsalltag meist auf. Eine kurze Richtlinie zum Laden und Lagern von Laptops und Smartphones gehört deshalb in die Geräteübergabe. Ein zentrales Monitoring der Endgeräte zeigt den Akkuzustand, bevor der Akku zum Support-Fall wird, mehr dazu im Beitrag NinjaOne RMM: Monitoring und Patch-Management für KMU.

Wer für sein Unternehmen eine strukturierte Geräteverwaltung aufbauen möchte, erreicht den Vertrieb unter 040 20 94 97 67 oder vertrieb@netzleiter.com.

Häufige Fragen

Sollte ich meinen Laptop-Akku bei Dauerbetrieb ausbauen?

Bei fest verbauten Akkus, wie in den meisten aktuellen Laptops, ist das nicht möglich und auch nicht nötig. Wichtiger ist, dauerhaftes Vollladen zu vermeiden und Hitze fernzuhalten.

Wie oft sollte ich mein Smartphone vollständig entladen?

Gar nicht. Eine vollständige Entladung bis 0 Prozent belastet die Akkuzellen unnötig. Ein Ladebereich zwischen etwa 20 und 90 Prozent schont die Kapazität langfristig besser, denn bei 40 Prozent Entladetiefe liefern NMC-Zellen laut Battery University rund 1000 statt rund 300 Zyklen.

Verliert ein ungenutzter Akku auch ohne Nutzung an Kapazität?

Ja. Lithium-Ionen-Akkus altern auch bei Nichtgebrauch, wenn auch langsamer. Lagerung bei 40 bis 60 Prozent Ladestand und Raumtemperatur verlangsamt diesen Effekt am stärksten. Bei 25 °C und 40 Prozent Ladestand bleiben nach einem Jahr 96 Prozent der Kapazität erhalten, bei 100 Prozent Ladestand sind es 80 Prozent.

Ab wann lohnt sich ein Akkutausch statt Neukauf?

Sinkt die Kapazität unter 80 Prozent des Ursprungswerts, bei Apple der Wert, auf den die Akkus nach 500 bis 1000 Ladezyklen ausgelegt sind, wirkt sich das im Arbeitsalltag meist schon aus. Bei sonst funktionstüchtigen Geräten ist ein Akkutausch oft wirtschaftlicher als eine Neuanschaffung.

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