· Mehdi Aroui · managed-it · 3 min read
FRITZ!Box 7590: T.38 und Codec-Fehler beim Fax beheben
Faxversand über die FRITZ!Box 7590 schlägt mit Fehlercode 415 oder 488 fehl? Dieser Leitfaden erklärt Ursachen, Lösungsschritte und Fallback-Strategien für Praxen und Büros.

Warum Faxversand über die FRITZ!Box 7590 scheitert
Ironischerweise könnte dies der letzte Blogartikel sein, den wir über Fax schreiben. Trotzdem bleiben Faxgeräte in Arztpraxen, Apotheken und Behörden unverzichtbar. Aus dem Netzleiter-Praxisalltag in Hamburg sehen wir täglich Faxausfälle, die Terminketten unterbrechen. Kryptische Fehlermeldungen wie “Unsupported Media Type (415)” oder “Not Acceptable Here (488)” kosten Zeit und gefährden fristgebundene Zustellungen.
Typische Fehlerszenarien
- VoIP-Anschlüsse ohne sicheres T.38-Fallback
- Hybrid-Installationen mit Kabelrouter und FRITZ!Box
- Cloud-PBX ohne volles Codec-Portfolio
- Hohe Leitungsbelastung durch parallele Prozesse
Warum das Problem ernst zu nehmen ist
- Rechtsverbindlichkeit: Überweisungen und Rezepte gelten erst nach erfolgreicher Faxzustellung als fristgerecht.
- Stille Fehler: Benutzer merken Probleme oft erst Stunden später.
- Datenschutz: Unvollständige Faxe gefährden Datenintegrität und DSGVO-Compliance.
Schritt-für-Schritt-Diagnose
Schritt 1: Standortangaben prüfen
Falsche Landes- und Ortsvorwahl sabotieren die SIP-Signalisierung.
- FRITZ!Box-Oberfläche öffnen:
http://fritz.box - Menü: Telefonie > Eigene Rufnummern > Anschlusseinstellungen
- Land: Deutschland wählen
- Landesvorwahl aufteilen:
00|49 - Ortsvorwahl aufteilen:
0|40(Beispiel Hamburg) - Übernehmen und Neustart der Telefonie-Komponente abwarten
Schritt 2: Browser ausschließen
Browser-Plug-ins oder Cache können das Faxformular stören. Test im Inkognito-Fenster mit Chrome, Edge oder Firefox durchführen.
Schritt 3: Gegenstellen testen
Senden Sie Faxe an mehrere Nummern: klassisches Analog-Fax, Online-Faxdienst, Büro-Fax. Scheitert es nur bei einer Gegenstelle, liegt das Problem dort, nicht in der FRITZ!Box.
Schritt 4: Ereignisprotokoll auswerten
Aufruf: System > Ereignisse > Telefonie
| Fehlermeldung | Bedeutung | Lösung |
|---|---|---|
| 415 Unsupported Media Type | Provider blockiert angeforderten Codec | G.711 erzwingen oder Anbieter wechseln |
| 488 / 606 Not Acceptable | T.38 nicht unterstützt | T.38 deaktivieren oder SIP-Trunk mit T.38 buchen |
| 0x3301 / 0x3490 | Authentifizierung oder Timeout | SIP-Credentials prüfen, Router neu starten |
Schritt 5: T.38-Status in der FRITZ!Box prüfen
- Telefonie > Eigene Rufnummern > Sprachübertragung
- Spalte “Kodierung” prüfen:
- “Ja T.38”: Provider unterstützt T.38
- “Nein”: Wechsel zu einem SIP-Trunk mit T.38-Unterstützung empfohlen (nFon, sipgate trunking)
Schritt 6: Aktuelle FRITZ!OS-Version installieren
Ab FRITZ!OS 7.50 wurden zahlreiche Fax-Bugs behoben. Mit FRITZ!OS 8.x stehen erweiterte Codec-Optionen zur Verfügung:
- Codec-Priorität lässt sich pro Rufnummer konfigurieren (Telefonie > Eigene Rufnummern > Sprachübertragung > Codec-Einstellungen)
- G.711 alaw und ulaw können unabhängig priorisiert werden
- T.38 lässt sich pro Rufnummer aktivieren oder deaktivieren, ohne alle anderen Rufnummern zu beeinflussen
- Der “Fax-Modus” (automatische Umschaltung bei Fax-Tonerkennung) ist ab FRITZ!OS 8.0 stabiler und erkennt zuverlässiger den CNG-Ton
Update-Pfad: FRITZ!Box-Oberfläche > System > Update > FRITZ!OS-Update
Schritt 7: Providerseitige Stolperfallen
| Szenario | Typischer Effekt | Lösung |
|---|---|---|
| Kabelmodem im Router-Modus | Doppelte NAT, SIP-ALG aktiv | Bridge-Mode aktivieren |
| DSL-Port-Sperre UDP 5060 | Instabile Registrierung | Provider-Ticket, Port 5062 oder 5064 nutzen |
| Hosted-PBX ohne T.38 | Einseitige oder abgebrochene Faxe | Zusatz-SIP-Trunk nur für Fax einrichten |
Schritt 8: Erweiterte Diagnose
SIP-Trace mithören (Linux/Router):
tcpdump -i any udp port 5060 -w /var/tmp/fax.pcapDatei mit Wireshark öffnen, Filter t38 setzen und Frame-Retransmits analysieren.
Jitter und Paketverlust messen (Windows):
Test-Connection sip.provider.de -Count 200 -BufferSize 1472 |
Measure-Object -Property ResponseTime -AverageZiel: Paketverlust unter 1 Prozent. Bei höherem Wert QoS auf dem Router aktivieren.
Fallback-Strategie: E-Fax und KIM-Fax
E-Fax bei dauerhafter T.38-Inkompatibilität
Wenn der Provider T.38 dauerhaft nicht unterstützt, ist ein Cloud-Faxdienst die zuverlässigste Lösung:
- Dienste wie COMDESK Fax oder sipgate fax senden und empfangen ohne T.38-Abhängigkeit
- DSGVO-konforme Archivierung inklusive
- Fax-Nummern bleiben erhalten, nur der Versandweg ändert sich
- Für Arztpraxen: Serverstandort Deutschland prüfen, Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen
KIM-Fax als TI-Alternative für Praxen
Arztpraxen und MVZ, die an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden sind, können KIM (Kommunikation im Medizinwesen) als sicheren Übertragungsweg für Dokumente nutzen:
- Verschlüsselter Versand über TI-Konnector
- Kein T.38, kein VoIP-Problem
- §390 SGB V-konform
- Empfänger muss ebenfalls KIM-fähig sein (Kassenärztliche Vereinigung, andere Praxen, Krankenhäuser mit KIM-Adresse)
KIM ersetzt das Fax nicht vollständig, reduziert aber den Anteil faxpflichtiger Prozesse erheblich.
Fazit
Mit korrekten Standortangaben, Ereignisprotokoll-Analyse und einem T.38-fähigen SIP-Trunk lassen sich die meisten Faxprobleme beheben. FRITZ!OS 8.x bietet mehr Steuerungsmöglichkeiten als ältere Versionen. Wo T.38 dauerhaft nicht funktioniert, sind E-Fax-Dienste oder KIM-Fax die saubereren Alternativen.
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