· Mehdi Aroui · Produktivität  · Lesedauer von ca. 3 Min.

Netflix und 15 % des weltweiten Internet-Traffics (2018)

2018 erzeugte Netflix allein 15 Prozent des globalen Downstream-Traffics. Ein Rückblick auf den Streaming-Boom und was er für Firmennetze bedeutet hat.

2018 erzeugte Netflix allein 15 Prozent des globalen Downstream-Traffics. Ein Rückblick auf den Streaming-Boom und was er für Firmennetze bedeutet hat.

Rückblick: Dieser Beitrag stammt aus dem Oktober 2018 und dokumentiert einen Datenpunkt, der damals viele IT-Verantwortliche aufhorchen ließ. Die Zahlen sind historisch. Was daraus geworden ist, steht am Ende.

Was der Sandvine-Bericht 2018 zeigte

Im Oktober 2018 veröffentlichte das Netzwerkanalyse-Unternehmen Sandvine seinen Global Internet Phenomena Report 2018. Grundlage waren Verkehrsdaten von mehr als 150 Internet-Service-Providern weltweit, repräsentativ für rund 2,1 Milliarden Teilnehmer. China und Indien waren in den Daten nicht nennenswert vertreten.

Das Ergebnis war eindeutig:

  • Netflix: 15,0 % des globalen Downstream-Traffics
  • HTTP-Medienstreams: 13,4 %
  • YouTube: 11,4 %
  • Web-Browsing: 7,8 %
  • MPEG-Streams: 4,8 %

Videostreaming insgesamt machte 57,7 Prozent des weltweiten Datenverkehrs aus. In Nord- und Südamerika lag der Netflix-Anteil noch höher, bei 19,1 Prozent, gefolgt von Amazon Prime Video (7,7 %) und YouTube (7,5 %).

Der Bericht hob außerdem hervor, dass Netflix damals bereits effektive Kompressionsverfahren (adaptive Bitrate, eigene Codec-Optimierungen) einsetzte. Ohne diese wäre der Anteil noch deutlich höher ausgefallen.

Was das für Firmennetze bedeutete

Für IT-Verantwortliche in kleinen und mittleren Unternehmen war 2018 vor allem eine Frage relevant: Warum ist unsere Internetleitung so langsam?

Streaming-Dienste wurden zu dieser Zeit zunehmend auch am Arbeitsplatz genutzt, sei es während der Mittagspause, im Empfangsbereich oder über Mitarbeitergeräte. Ein einziger HD-Stream belegt je nach Qualitätsstufe 5 bis 25 Mbit/s. Bei einer 50-Mbit/s-Leitung mit mehreren gleichzeitigen Nutzern war das Bandbreitenbudget schnell erschöpft.

Hinzu kam: Cloudanwendungen wie Office 365, VoIP-Telefonie und Remote-Zugriffe standen in direkter Konkurrenz zu Streaming-Traffic. Unternehmen, die keine Traffic-Priorisierung (QoS) eingerichtet hatten, merkten das als ruckeligen Teams-Anruf oder langsames ERP-System.

Mehr zur Hintergrund-Technik, warum Internetadressen-Knappheit diesen Ausbaudruck weiter verschärft hat, steht in unserem Beitrag zur IPv4-Erschöpfung und dem Umstieg auf IPv6.

Spitzenlast: 40 % der Bandbreite in den Abendstunden

Ein Detail aus dem Sandvine-Bericht, das über den Durchschnittswert hinausging: In den Abendstunden beanspruchte Netflix zeitweise bis zu 40 Prozent der verfügbaren Bandbreite bei betroffenen Providern. Das betraf primär Wohngebiete, nicht Unternehmensanschlüsse, war aber ein frühes Zeichen dafür, dass Netzinfrastruktur auf Spitzenlast ausgelegt werden musste, nicht nur auf Durchschnitt.

Wo wir heute stehen (2026)

Die 15-Prozent-Marke von 2018 klingt heute fast nostalgisch. Laut aktuelleren Sandvine-Berichten ist der Anteil von Videostreaming weiter gewachsen. Dazu kommt Traffic durch Videokonferenzen (Teams, Zoom), Cloud-Backups, SaaS-Anwendungen und zunehmend KI-Dienste mit großen Modell-Downloads.

Für Unternehmen hat sich die Konsequenz verschärft: Eine Internetleitung ohne aktives Bandbreitenmanagement ist heute kein Sparmodell mehr, sondern ein Betriebsrisiko. Wer kritische Geschäftsprozesse (ERP, VoIP, Cloud-Desktops) auf derselben Leitung betreibt wie unkontrollierten Surfer-Traffic, riskiert messbare Ausfälle.

Die Frage ist nicht mehr ob Video-Traffic die Leitung belastet, sondern wie gut das Netz darauf vorbereitet ist. Beim Managed IT-Support gehört Leitungs- und Traffic-Analyse zur Basisdiagnose, bevor größere Netzänderungen empfohlen werden.

Quellen

Back to Blog

Related Posts

View All Posts »
PDF, PDF/A, PDF/X: Welches Format wofür?

PDF, PDF/A, PDF/X: Welches Format wofür?

PDF ist nicht gleich PDF. Für Langzeitarchivierung gilt PDF/A, für Druckdateien PDF/X, für technische Dokumentation PDF/E. Dieser Leitfaden erklärt die Unterschiede.