· Mehdi Aroui · Medical IT · Lesedauer von ca. 5 Min.
Zimmer DiagnostikSuite einrichten: Schritt für Schritt
Die Zimmer DiagnostikSuite verbindet EKG, Langzeit-Blutdruck, Spirometrie und Ultraschall mit dem Praxisverwaltungssystem. Dieser Leitfaden erklärt Voraussetzungen, Installation und typische Stolpersteine.

Die Zimmer DiagnostikSuite ist die Software, die alle Zimmer-Diagnostikgeräte einer Praxis unter einer Oberfläche zusammenführt: 12-Kanal-EKG, Ergometrie, Langzeit-Blutdruck, Spirometrie und Ultraschall. Daten landen direkt beim Patienten im Praxisverwaltungssystem (PVS), ohne Papierzettel oder manuelle Übertragung. Der Einrichtungsaufwand ist überschaubar, aber es gibt einige Stellen, an denen ohne sorgfältige Vorbereitung Zeit verloren geht.
Was genau ist die Zimmer DiagnostikSuite?
Die DiagnostikSuite ist eine modulare Windows-Anwendung von Zimmer MedizinSysteme. Jedes Modul entspricht einer Geräteklasse:
- EKG (Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Ergometrie)
- Langzeit-Blutdruck (24-Stunden-ABPM)
- Spirometrie (Lungenfunktion, Fluss-Volumen-Kurven)
- Bildgebender Ultraschall (Sonido- und SonoSys-Geräte)
Lizenziert werden nur die Module, die tatsächlich genutzt werden. Das hält die Kosten niedrig und erleichtert spätere Erweiterungen.
Welche Hardware- und Netzwerkvoraussetzungen gelten?
Zimmer nennt folgende Mindestanforderungen (Stand der offiziellen Gebrauchsanweisung, Vertrauensstufe mittel):
| Komponente | Minimum |
|---|---|
| Betriebssystem | Windows 10 (32/64 Bit), Windows 11 wird von aktuellen Versionen unterstützt |
| CPU | Intel Dual Core, min. 1,6 GHz oder AMD-Äquivalent |
| RAM | 2 GB (4 GB empfohlen, besonders bei Spirometrie + EKG parallel) |
| Festplatte | 5 GB freier Speicher für Software und lokale Messdaten |
| Grafik | 1280 x 1024, 16-Bit-Farbe |
| Schnittstelle | USB 2.0 oder höher für Geräteanschluss |
Netzwerkbetrieb: Die DiagnostikSuite ist netzwerkfähig. Messungen können am Diagnose-Arbeitsplatz aufgezeichnet und an anderen Netzwerk-Arbeitsplätzen geöffnet, ausgewertet und befundet werden. Voraussetzung ist ein stabiles LAN (mindestens 100 Mbit/s), da die Software beim Netzwerkbetrieb auf freigegebene Ordner zugreift. WLAN genügt für die Befundansicht, nicht für die Geräte-Direktkopplung mit USB.
Wichtig bei Direktanschluss von Messgeräten: Das Gerät (z. B. Spiro 3, EKG-Kabel) muss immer am lokalen Arbeitsplatz angesteckt sein, nicht an einem Server. Virtualisierte Desktops (VDI) sind für die Geräte-Direktkopplung nicht geeignet.
Wie läuft die PVS-Anbindung über GDT?
Die DiagnostikSuite nutzt die GDT-Schnittstelle (Gerätedaten-Träger, Standard in der deutschen Praxis-IT) für den Datenaustausch mit dem PVS. Das Prinzip:
- Das PVS schreibt Patientenstammdaten in eine GDT-Übergabedatei (z. B.
auftrag.gdt). - Die DiagnostikSuite liest diese Datei, öffnet den richtigen Patientenkontext und startet die Messung.
- Nach der Messung schreibt die DiagnostikSuite das Ergebnis in eine Rückgabedatei (z. B.
ergebnis.gdt). - Das PVS liest die Rückgabedatei und bucht den Befund automatisch in die Patientenakte.
ZStarter: Wer möchte, dass die DiagnostikSuite automatisch startet, sobald ein GDT-Auftrag vom PVS eintrifft, kann das Tool “ZStarter” direkt bei Zimmer MedizinSysteme anfordern. Es überwacht das Import-Verzeichnis und öffnet die Anwendung bei Eingang einer neuen GDT-Datei.
Pfade korrekt setzen: In der DiagnostikSuite und im PVS müssen jeweils dieselben Import- und Export-Verzeichnisse eingetragen sein. Ein Tippfehler im Pfad reicht, damit kein Datenaustausch stattfindet. Empfehlung: gemeinsamen UNC-Pfad oder freigegebenen Netzwerkordner verwenden, keinen laufwerksbuchstaben, der je nach Windows-Anmeldesession variieren kann.
Welche GDT-Version das eigene PVS spricht (GDT 2.1 oder GDT 3.0), steht im Handbuch des PVS-Anbieters. Die DiagnostikSuite unterstützt beide Varianten, muss aber passend konfiguriert sein. Gängige PVS-Systeme, die GDT mit der DiagnostikSuite nutzen: MEDISTAR, Turbomed, x.comfort, CGM ALBIS, Systmone.
Welche Stolpersteine gibt es bei der Installation?
1. Benutzerrechte unter Windows
Die DiagnostikSuite benötigt Schreibrechte auf ihre Datenbankordner und die GDT-Verzeichnisse. Standard-Windows-Nutzerkonten ohne lokale Admin-Rechte können die Software nicht installieren und kommen in manchen Konfigurationen nicht an die Messdaten. Vor der Installation: Nutzerrechte klären und ggf. mit dem IT-Beauftragten abstimmen.
2. Antivirusprogramm und Windows Defender
Echtzeit-Scanner blockieren manchmal die GDT-Dateioperationen, weil sehr schnell hintereinander Dateien geschrieben und gelöscht werden. Symtom: PVS und DiagnostikSuite scheinen zu funktionieren, aber kein Datenaustausch findet statt. Lösung: die GDT-Verzeichnisse als Ausnahmen im Antivirusprogramm eintragen.
3. Gerätekommunikation über COM-Port oder USB
Ältere Zimmer-Geräte nutzen noch RS-232-Seriellverbindungen, neue nutzen USB. Bei USB-Geräten muss der richtige Treiber installiert sein, bevor die DiagnostikSuite das Gerät erkennt. Die Treiber-CD liegt dem Gerät bei oder steht auf der Zimmer-Website zum Download bereit.
4. Datenbankpfad nach PC-Wechsel
Wird die DiagnostikSuite auf einen neuen PC umgezogen, zeigt die neue Installation zunächst auf eine leere Datenbank. Die alte Datenbank muss manuell gesichert und im neuen Setup als Pfad eingetragen werden. Ohne diesen Schritt gehen keine historischen Messdaten verloren, aber sie sind schlicht nicht sichtbar.
5. Windows-Firewall bei Netzwerkbetrieb
Wenn mehrere Arbeitsplätze auf eine gemeinsame Datenbank zugreifen, muss die Freigabe des Datenbankordners in der Windows-Firewall erlaubt sein. Der Konfigurationsassistent der DiagnostikSuite prüft das nicht automatisch.
Was ist bei Datenschutz und DSGVO zu beachten?
Die Messdaten der DiagnostikSuite sind Patientendaten nach Art. 9 DSGVO (besondere Kategorien). Das bedeutet konkret:
- Verschlüsselung des Datenbanklaufwerks: Bei Laptop-Arbeitsplätzen oder mobilen Geräten muss das Laufwerk verschlüsselt sein (BitLocker oder vergleichbar), damit bei Verlust oder Diebstahl keine Patientendaten offen liegen.
- Zugriffsprotokollierung: Praxen, die unter §75b SGB V fallen, benötigen dokumentierte Zugriffskonzepte. Wer darf auf die DiagnostikSuite zugreifen, und ist das im Berechtigungskonzept festgehalten?
- Backup: Die Datenbank der DiagnostikSuite muss in das reguläre Praxis-Backup eingeschlossen sein. Standard-Windows-Backup reicht, solange der Pfad korrekt konfiguriert ist.
- Auftragsverarbeitung: Läuft die Software auf Servern eines externen IT-Dienstleisters, ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO erforderlich.
Eine Medical-IT-konforme Infrastruktur für Arztpraxen schließt alle diese Punkte ein, nicht nur die Software-Installation.
Wie bereite ich das Personal auf die neue Software vor?
Die technische Einrichtung ist die halbe Arbeit. Der andere Teil ist die Einweisung der Medizinischen Fachangestellten (MFA):
- Kurze Checkliste pro Messtyp: Welche Schritte sind vor der Messung, während der Messung und nach der Messung nötig? Eine laminierte Kurzanleitung am Messplatz hilft in den ersten Wochen.
- Fehlerbehebung Stufe 1: MFA sollten wissen, was zu tun ist, wenn das Gerät nicht erkannt wird (Kabel prüfen, USB-Port wechseln, DiagnostikSuite neu starten), bevor der IT-Dienstleister angerufen wird.
- GDT-Workflow trainieren: Der PVS-seitige Ablauf (Auftrag anlegen, Ergebnis importieren) muss gemeinsam mit dem PVS-Anbieter oder einem erfahrenen Support-Dienstleister einmalig live gezeigt werden. Textdokumentation allein reicht selten.
Wer als Praxis in die IT-Infrastruktur mit der Diagnostik-Anbindung investiert, sollte auch den Healthcare-IT-Bereich im Blick behalten, weil die Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit dort deutlich über Standard-Büro-IT hinausgehen.
Lohnt sich eine professionelle Ersteinrichtung?
Eine Ersteinrichtung durch einen erfahrenen IT-Dienstleister dauert typischerweise zwei bis vier Stunden, je nach Anzahl der Messmodule und PVS-Komplexität. Was dabei abgedeckt wird: korrekte GDT-Konfiguration, Treiberinstallation, Antivirus-Ausnahmen, Backup-Anbindung, Zugriffsrechte und eine kurze Einweisung der MFA.
Fehler, die danach noch auftreten, sind häufig auf PVS-seitige Konfigurationsänderungen zurückzuführen, die der PVS-Anbieter selbst beheben muss. Die DiagnostikSuite selbst ist, einmal richtig eingerichtet, stabil und wartungsarm.
Netzleiter ist KBV-zertifizierter IT-Dienstleister und übernimmt die Einrichtung und laufende Betreuung von Zimmer-DiagnostikSuite-Installationen in Arztpraxen in Hamburg und Umgebung. Fragen dazu beantwortet das Team unter 040 25 499 500 oder support@netzleiter.com.
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